Brief an Herrn Markwort


Lieber Herr Markwort

Zu dumm, vor ein paar Tagen habe ich sie weggeworfen, die Fokus Ausgabe mit Ihrem Leitartikel, indem Sie sich so heroisch vor Herrn Dr. Josef Ackermann gestellt haben, den Bänker, der sein Haus in Ordnung habe und gleichwohl als Buhmann herhalten müsse für eine ganze Branche, die ja an sich gut sei, nur eben in ein paar gewissenlosen Exzessen Fehler gemacht habe.

Ich habe mich über diese schönen Worte über den diskriminierten Grossbanker gewundert. Herr Markwort, Sie sind doch schon ein paar Jahre im Geschäft. Erinnern Sie sich nicht an die vielen Geschichten hochgelobter Unternehmerpersönlichkeiten, die danach im Gefängnis endeteten? Haben Sie Horst-Dieter Esch vergessen, den Mann, der den weltgrössten Baumaschinenkonzern zusammen gebaut hat? Herrn Schneider, den Gutmenschen, der gar Politiker zu seinen Angestellten gemacht hat? Ist es ausgerechnet Ihnen als Weltklasse Journalisten entfallen, daß, wann immer das Manager Magazin jemanden zum Unternehmer des Jahres gekürt hat, dieser bald darauf wegen Betrügereien stürzte? Dass in keinem Bereich Hochmut so sehr vor dem Fall kommt wie bei den millionenschweren Angestellten, die man Top-Manager nennt?

Von Zumwinkel und Maddoff jetzt mal ganz zu schweigen, die sind ja relativ neu. Haben Sie nicht Ackermanns Vorgänger Kopper bei Maischberger am 16.12.2008 in seinem Sessel immer kleiner werden sehen, als diese beiden Lichtgestalten des Unternehmertums erwähnt wurden? Der ehemalige Deutsche Bank Chef kennt beide gut, und weiss vieles, worauf er in diesem Interview nun wirklich nicht angesprochen werden wollte.

Gestern nun kam die nicht weiter verwunderliche Meldung, daß auch die Deutsche Bank erhebliche Milliarden-Verluste mit ebenso dubiosen Geschäften (genannt Eigenhandel) gemacht habe. Herr Ackermann lässt immer noch verlautbaren, daß seine Bank keine staatliche Hilfe in Anspruch nimmt, wandelt aber den Postbank Deal so um, daß der Staat plötzlich Grossaktionär der Deutschen Bank wird. Na, wenn das keine staatliche Hilfe ist? Wem nützt dieser Postbank Deal eigentlich (ausser den Managern natürlich, daß wissen wir ja schon)? Die Deutsche Bank will jetzt in das Privatkundengeschäft, das bei der Postbank gut ausgebaut ist, so heisst es. Und raus aus dem riskanten Investment Banking. So? Das sind aber doch die gleichen Leute, die noch vor wenigen Jahren den Ausstieg aus dem teuren Privatkundengeschäft betrieben haben und sich zum größten Investment-Banker machen wollten, und die damals von der wohl gesonnenen Presse dafür gelobt wurden! Ein Nutzen aus dieser Querbeteiligung ist weder für die Kunden noch für den Steuerzahler zu sehen, aber, siehe das Beckermann Interview, ein paar Bänker können wieder von eigener Inkompetenz ablenken und grosse Geschäfte vorweisen, die ihre grossen Gehälter rechtfertigen.

Ich bin sicher kein Freud von Herrn Sodann, um ehrlich zu sein, vor seiner obskuren Kandidatur hatte ich den Namen nie gehört. Und als er meinte, als Kommissar würde er Ackermann am liebsten in Handschellen sehen, da sprach er populistisch dem aus der Seele, der eben nicht von Top Managern auf Empfängen gestreichelt und verwöhnt wird, dem sogenannten kleinen Mann. Der kann sich, fallls er nicht schon abgeschaltet hat, die Vorgänge jedenfalls nicht als anständige und seriöse Geschäfte erklären.

Sodanns Vordenker, Marx und Engels, haben vorhergesehen, daß die Kapitalisten in Ihrer Gier ihr eigenes System zerstören werden, schlossen aber fehl, indem sie meinten, dann müsse das Volk in einer Revolution den Sozialismus einführen. Heute machen das die Kapitalisten selbst: noch nie ist in so kurzer Zeit, von so grossen privaten Kapitalisten so viel Staatskapitalismus eingeführt worden, wie in dieser Krise, und das weltweit. Politiker und Bürokraten greifen gerne zu. "Warum sollen wir zuschauen, wie Manager an den Finanzmärkten in die eigene Tasche wirtschaften, das können wir besser!" Und der Staatskapitalismus ist nichts anderes als eine Vorstufe des Sozialismus in seiner schlimmsten Form: Ohne den Wohlstand wirklich den Armen zukommen zu lassen, das Geld und die Macht in der Hand von Bürokraten und Politikern zu konzentrieren.

Mit freundlichen Grüssen

Günter Lukas, Portugal, 15. Januar 2009

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