Sonntag, 3. Mai 2009 Vilamoura bis Tarifa ![]() |
![]() Die neue Crew, Christian, Oliver und Viktor sind alles erfahrene Segler. Sie machen die Reise u.a., um noch mal kräftig was aufs Seemeilenkonto zu kriegen, denn da sind noch Scheine in Arbeit. Aber als wir um 14:00 am Tanksteg anlegen wollten, hatten wir 5 Beaufort aus Südost, und die trieben uns gerade vom Steg weg. So war es zwar möglich, den grossen Katamaran am Steg anzulegen, aber eben nicht einfach für eine noch nicht eingespielte Crew. Mit Freude bemerkten wir, aß andere, grössere Boote mit fester Besatzung die gleichen Probleme hatten. Gegen 15:00 fuhren wir los. Kaum um die Mole, trafen wir auf eine Welle, die sich durch den anhaltenden Wind aufgebaut hatte. Wir setzten Segel, zunächst mit einem Reff, und kreutzten. Der grösse Wendewinkel und die voll gegen uns laufende Welle sorgten aber dafür, daß wir drei Stunden später immer noch Portimnao sahen. Bei Albufeira hätte ich an Land gehen können und wäre in 15 Minuten zu Hause gewesen. Frustrierend. Also 18:00 Segel weg und unter Motor Richtung Vilamoura, damit man zumindest das Gefühl hat, etwas Entfernung gemacht zu haben. Mir ging es nicht so gut. Am ersten Tag gleich so starker Seegang, da kenne ich meine Gleichgewichtsorgane, das führt immer zu Übelkeit. Wenn ich schon nicht die Fische füttere, so frage ich mich doch immer wieder: "Warum tust Du das eigentlich?" Aber ich war nicht der einzige. Eberhardt, der Mann mit der meisten Lebens- und Segelerfahrung an Bord erleichterte sich nach achtern, und den anderen ging es nicht viel besser. Andreas und Fabienne hatten aber gerade das Geschaukel in die andere Richtung hinter sich, so daß wir uns beruhigt in eine Ecke legen konnten. Ich suchte mir den Platz im Heck aus, von dort konnte ich schön die Algarveküste vorbeiziehen lassen. Und schon gingen die Berechnungen los: Wann können wir mit dem Strom durch Gibraltar? Welchen Wind und welche Welle werden wir dann dort haben? Schaffen wir es dann bis Freitag abend nach Mallorca, denn 2 Mitreisende mussten am Samstag nach Hause fliegen? Es war klar: ein gemütlicher Segeltörn, bei dem man sich in seinen Entscheidungen nach Wind und Wetter richtet, wird das nicht! Die Ruhe hinter der Mole vor der Hafeneinfahrt Vilamoura tat gut, und nach dem Essen waren alle schnell in ihren Kojen. Denn wir wollten am nächsten Morgen früh los. Oh je: Eine helle Schlagerstimme fängt an zu quieken: Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein. Ein Lied, das ich bisher nie gehört, oder immer überhört hatte. Nana Mouskouri, die Frau mit der dicken Hornbrille. Und weil es so nett ist, höre ich das jetzt 2 Wochen lang jeden morgen. Und auf dem Boot kann man ja nicht einfach weglaufen. (Ich verzichte auf eine Hörprobe auf dieser Seite, habe bei youtube aber eine erträglichere Version gefunden!) Also raus aus dem Schlafsack, hoch in den Salon, und da erwartet uns das freundliche Lachen des Skipperpaares und der angenehme Geruch frischen Kaffees. Um 07:00 Anker lichten und raus aufs Meer, das etwas ruhiger ist als gestern abernd, aber nur etwas. Immer noch so um die 5 Beaufort gegen uns, motoren wir an Faro vorbei, dann an Ayamonte, und irgendwo vor Spaniens setzen wir dann Segel. Kurz danach schläft der Wind ein, es ist wie verhext. Wir bereiten uns auf die erste Nachfahrt vor. Es ist aber schon abends so kalt, daß ich mir für meine Nachtwache (die Hundewache von 02:00-04:00) von Andreas noch eine lange Unterhose leihe, als "Südländer" habe ich doch mit etwas angenemeren Temperaturen gerechnet. Dieser Südostwind ist eine drolllige Sache, denn als in Algarve lebender Deutscher war ich bis jetzt sicher, daß der Wind hier fast immer aus Nordwest kommt. So bläst er über mein Grundstück, und deswegen geht meine windabgewandte Terrasse nach Süden. Aber diesmal ist es anders, und scheinbar auch diesen Frühsommer, denn ich schreibe diese Zeilen am 1. Juni, und da haben wir gerade eine Woche starken Südost und peitschende Wellen, die den Sand der Strände wegspülen. Ich habe das Vergnügen, meine Nachtwache mit Fabienne zu machen, die mir die Grundlagen der Navigation, die Lichter der Leuchttürme erklärt, und zeigt, wie man den Kartenplotter bedient. Nachdem ich das alles brav gelernt habe, reden wir ein bisschen, was man so redet, und das tut gut. Sie ist eine angenehme Gesprächspartnerin, und ohne zu sehr in privates einzusteigen, klären sich in diesem Gespräch auch wieder ein paar Sachen in meinem Kopf. So vergehen die 2 Stunden, ohne Segeltechnische Vorfälle, was man von der nächsten Nachtwache nicht sagen kann. |
| Fortsetzung
folgt. Ich werde in den nächsten Wochen
Stück
für Stück die weiteren Tage des Törns
beschreiben, also
es lohnt sich, mal wieder reinzuschauen. Zurück zum Anfang Clownfish Reisebericht Hauptseite |